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Die  Tracht der Bürgerkapelle Brixen

2026 – Tracht des Jahres 2026

Die Tracht der Bürgerkapelle Brixen wurde von der Arbeitsgemeinschaft „Lebendige Tracht“ im Südtiroler Heimatpflegeverband zur „Tracht des Jahres 2026“ ernannt. Sie gilt als besonderes Beispiel für die Verbindung von städtischer Bürgertradition, musikalischer Geschichte und regionaler Trachtenkultur.

1801 – Die erste Erwähnung der Eisacktaler Tracht

Die erste schriftliche Erwähnung einer Musikkapelle in Brixen geschieht bereits im Jahre 1801, und ihre zeitgenössische bildliche Darstellung auf einer kolorierten Radierung von Josef Weger – bislang eine der ältesten bekannten Abbildungen einer Tiroler Musikkapelle – lässt deutlich die grünen Joppen und die gelben Scheibenhüte erkennen und spiegelt die Tracht des Eisacktales wider (Helmut Rizolli, in Bürgerkapelle Brixen 1801-2001, S.79).

1909 – Die „alte Brixner Bürgertracht“

Die erste Fotografie stammt wohl aus dem Jahre 1903 oder kurz darauf, weil auf der Schleife des Kapellmeisters eindeutig „Musik Ver[ein] Brixen“ zu lesen ist und die Bürgerkapelle neben der Harmoniekapelle, dem Orchester und dem gemischten Chor zum Musikverein Brixen gehörte, der im Jahre1903 gegründet worden war. Erster Vereinsobmann war Bürgermeister Dr. Otto von Guggenberg. Die Musikanten tragen eine grüne Schützentracht und sind mit der Lyra am Kragen als solche erkenntlich.

1909, beim großen Festumzug in Innsbruck, der anlässlich der Hundertjahrfeier der Erhebung Tirols (1809-1909) in Anwesenheit Kaiser Franz Josefs veranstaltet wurde, nahm auch die Brixner Bürgerkapelle teil. Zu diesem Anlass legte sie sich eine neue Tracht, nämlich die „alte Brixner Bürgertracht“ zu, die in Zeitschriftenartikeln immer wieder lobend erwähnt wird. Eine Fotografie vom 24. Oktober 1909 (Rudolf Largajolli, Brixen) (in Bürgerkapelle Brixen 1801-2001, S. 22 abgebildet) zeigt die Musikanten in bis zur Hüfte reichenden Lodenröcken mit Stehkragen, in schwarzen Zylinderhüten, hochgeschlossenen „Leibln“ mit Metallknöpfen und schwarzen Kniebundhosen. Dazu wurden ausgeschnittene flache Schuhe mit Schnallen und weißen Strümpfen getragen“ (Helmut Rizolli. In Bürgerkapelle 1801-2001, S.80)

Anlässlich zum hundertjährigen Jubiläum des Landwirtschaftlichen Vereins in Bayern, am Sonntag, 24. September 1910 spielte die Brixner Bürgermusikkapelle auf. In der „Brixener Chronik“ vom 29. September 1910 findet man eine Beschreibung der getragenen Tracht „…in der Mitte der Musikanten mit ihren roten Westen, grünen Janggern und den stolzen Zylinderhüten stand auf erhöhtem Podium deren Kapellmeister…“.

1925 – Die Bürgertracht in Maishofen im Pinzgau

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Tracht laut Volkskundler Hans Fink nach Wien verkauft, und Dr. Rizolli hält in der Festschrift von 2001 fest: „Unter dem Druck der neuen Landesherren legte die Bürgerkapelle die Tracht, auf die man in Brixen sehr stolz war, ab und verkaufte sie nach Wien.“ Indessen hatte die Trachtenmusikkapelle Maishofen im Pinzgau bereits im Jahre 1998 in der Festschrift anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens veröffentlicht, dass ihre Trachten von Brixen in Südtirol stammen: „Bartlmä Berloger, Gemeindesekretär und Gründungskapellmeister der Feuerwehrmusikkapelle Maishofen hatte mit Josef Jöchler aus Landeck – vermutlich gebürtiger Brixner und nach dem 1. Weltkrieg nach Tirol verzogen – Verbindungen. Jedenfalls wurden von diesem nach vorheriger Begutachtung 22 Trachten zu einem Preis von je S 80,00 erworben. Erstmals traten die Maishofner am 18.10.1925 in der neuen Tracht auf. Erst 1997 – im Zuge der Vorarbeiten zur Jubiläumsfeier – konnten die Brixner in Erfahrung bringen, dass deren prächtige Tracht, wenn auch in mittlerweile abgeänderter Form, jetzt die Maishofener tragen.“

1927 – Die Tracht der Banda Cittadina Dopolavoro Bressanone

Mit der Neuaufstellung der „Bürgerkapelle“ im Jahre 1927 als „Banda Cittadina Dopolavoro Bressanone“ wurde auch eine neue Tracht eingeführt. Sie bestand aus einer schwarzen langen Hose, einem schwarzem Gilet, einem weißem Hemd mit schwarzer Fliege, einem schwarzen „Schössel-Gehrock“ bis zu den Knien und einer schwarzer Tellermütze mit aufgenähter Lyra. Zur Galauniform gehörte ein schwarzer Zweispitz mit herabhängenden weißen, später hellblauen Federn (zitiert nach Bürgerkapelle Brixen 1801-2001, S. 77).

1948 – Die Eisacktaler Gebietstracht

Nach der Neugründung der Bürgerkapelle 1947 rückte man erstmals am Kassiansonntag des Jahres 1948 in einer neuen, etwa zehn Jahre zuvor von Gertrud Pesendorfer für den Eisacktaler Raum entwickelten Gebietstracht aus, zu der anders als zur verkauften Bürgertracht – ein bäuerlicher Bauchgurt getragen wurde. In Brixen hatte man sich allerdings nie so recht damit abgefunden, dass die Bürgerkapelle, die man sehr schätzte, äußerlich nicht mehr von den anderen Gruppen des mittleren Eisacktals zu unterscheiden war.

1981 – Die Bürgertracht wird wieder eingeführt

Ende der 70er Jahre wurde der Wunsch nach einer neuen Tracht immer lauter; einerseits war die Tracht von 1948 bereits stark abgetragen und andererseits sollte sich jede Tracht von anderen unterscheiden. Anlässlich der 180-Jahr-Feier im Jahre 1981 konnte die Bürgerkapelle erstmals ihre neue Tracht präsentieren. Die Marketenderinnen erhielten eine den Männern angepasste Frauenbürgertracht.

Die jetzige Tracht der Bürgerkapelle Brixen hat sich vom Grün der „neuen alten Bürgertracht“ von 1909 verabschiedet. Als Vorbild lehnt sie sich an die dunkle Bürgerkleidung mit hohem Zylinderhut an, die von einer Gruppe von Brixner Städtern beim Umzug in Innsbruck 1909, in der Reihe hinter der Bürgerkapelle, getragen wurde.

Große Sorgfalt wurde auf die Farbenwahl und den Schnitt des langen braunen Rocks und des Brokatleibchens gelegt. Das Fehlen von breiten Stoffhosenträgern und des Bauchgurtes weist auf die bürgerlichen Ursprünge der Tracht hin genauso wie die ausgeschnittenen schwarzen Schuhe mit handgemachten Schnallen. Die Lederhose symbolisiert die ländliche Umgebung Brixens sowie die Gepflogenheiten des stark verbreiteten Ackerbürgertums.

 

Die Musikanten tragen über einer schwarzen ledernen Kniebundhose einen braunen Dreiviertel-Gehrock mit Stehkragen, kleinen Revers und Münzknöpfchen. Das Leibl ist aus weinroten kleingeblümten Brokatstoff und einreihig geknöpft. Das weiße Halbleinenhemd hat einen kleinen abgerundeten Kragen und ist an der Achsel und Bündchen fein gereiht. Um den Hals wird ein braun-grünes Seidentuch gebunden. Die Stutzen sind aus weißer Wolle; die schwarzen Halbschuhe flach mit einer schönen Schnalle vorne in der Mitte.

1993 – Die Frauentracht: das Bürgerkleid

Die Frauentracht wurde erstmals 1993 präsentiert. Sie orientiert sich in Farbgebung und Stil an der Männertracht und bildet gemeinsam mit ihr ein harmonisches Gesamtbild. Die Frauentracht ist an das Brixner Bürgerkleid angelehnt.

Das Kleid der Musikantinnen und Marketenderinnen ist von großer Schlichtheit. Aus rotem gewebtem Wollbrokatstoff mit Seidenblümchenmuster wird das Leibchen und der fein gefältelte Rock genäht. Vorne und bei den Ärmelbündchen ist ein Knopfverschluss mit kleinen schwarzen Jettknöpfen. Eine Besonderheit stellt der Ärmel und der Spitzenroller dar. Im oberen Teil wird der Ärmel in feinen Fältchen gelegt, die in kleinen Abständen mit Zierstrichen niedergehalten werden. Durch zwei schmale Samtbänder wird er umsäumt. Der runde Goller besteht aus einer breiten und einer schmalen Klöppelspitze, deren Reihung durch ein schmales, schwarzes Samtband abgedeckt wird. Eine Brosche vorne in der Mitte bildet den schmückenden Abschluss. Eine Schürze aus goldener Seide, weiße Garnstutzen, sowie schwarze Trachtenschuhe vervollständigen die Tracht. Im Winter wird eine braune kurze Joppe getragen.

Als Hut dient ein Zylinder, den sowohl die Männer als auch die Frauen tragen. Es ist ein Zylinder aus einfachem Wollfilz mit niederem Kopf.